In Zukunft stehen fortlaufend ergänzte Berichte und Kommentare zum State of the Art der IT hier:

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Hartmut Wiehr – München und Lomé, im August 2006

In den USA haben Jack Goldsmith und Tim Wu das Buch „Who Controls the Internet?“ veröffentlicht. Darin räumen sie mit einigen Mythen auf, die sich um das neue Kommunikationsmedium Internet ranken. Apologeten des Web sahen darin von Anbeginn an eine neue, freie Sphäre des Informations- und Gedankenaustauschs, unbehelligt von jeglicher Tradition und jenseits des Zugriffs staatlicher Beobachtung und Kontrolle. Man kennt ähnliche freie Erfindungen im Zusammenhang mit der „New Economy“, von der es – zumindest bis zu ihrem Zusammenbruch 2001 – hieß, sie habe sämtliche Gesetze der westlichen Volkswirtschaft ausgehebelt. Davon will heute kaum noch jemand etwas wissen, ganz im Gegensatz zu den Märchen vom freien Internet. Goldsmith/Wu schreiben: “The Internet was supposed to be the test case for self-governing systems that could flourish without respect to geography and territorially based coercion. It was supposed to allow like-minded people to join communities and govern themselves without respect to geography, without regard to the top-down coercive structures of territorial governmental systems, and without the usual pathologies and corruptions that characterize territorial rule.” Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. So arbeitet das Web-Auktionshaus eBay, das sich gerne als Hort der Freiheit rühmt, auf das Engste mit Polizei und Justiz zusammen und unterhält sogar eine eigene Truppe von über tausend Mitarbeitern, die nur damit beschäftigt ist, der lieben Kundschaft auf die Finger zu schauen. Denn diese kommt – wie sollte es auch anders sein – nun mal aus der stinknormalen bürgerlichen Gesellschaft und benimmt sich auch in der „virtuellen“ Welt nicht anders als im gewohnten Wirtschaftsleben, inclusive der kleinen und größeren Tricks zur persönlichen Vorteilsannahme, sprich dem Bescheißen des lieben Nächsten. Goldsmith/Wu: “Without this powerful hidden-hand help of governments in the places where it does business, eBay’s thriving ’self-governing’ community could not survive.” Eine neue Technologie, die sicherlich manche Vorteile hat, ändert noch nicht die Welt, so wie sie zusammengesetzt ist. Nur wer so etwas glaubt und Mittel und Zweck verwechselt, kann dem Internet per se eine neue Qualität des gesellschaftlichen Lebens andichten. Noch einmal die Autoren: “What we have seen, time and time again, is that physical coercion by government – the hallmark of a traditional legal system – remains far more important than anyone expected. This may sound crude and ugly and even depressing. Yet at a fundamental level, it’s the most important thing missing from most predictions of where globalization will lead, and the most significant gap in predictions about the future shape of the Internet.”

Online = offline news

August 1, 2006

Nicholas G. Carr berichtet in seinem Blog www.roughtype.com über eine neue Studie in den USA, die das Verhalten von Lesern von Internet-News untersucht. Sie kommt zu überraschenden Ergebnissen: Entgegen der allgemeinen Ansicht – und insbesondere jener der Web-Fanatiker – verfolgt nur eine Minderheit von etwa 30 Prozent der Internetuser regelmäßig die Newsangebote im Internet. Und es sind vornehmlich auch nicht jene jungen Leute, die angeblich das Monopol auf die Internetnutzung gepachtet haben, sondern jene Gruppe der Erwachsenen um die 40, die auch die Majorität der Zeitungsleser stellen. Der eigentliche Gegensatz besteht nicht zwischen jenen, die das Internet benutzen, und jenen, die es nicht tun, sondern zwischen Leuten, denen an Informationen und Wissensbruchstücken liegt, und jenen, die in ihrem Alltagsleben gut darauf verzichten können. Das liesse sich noch weitertreiben, wenn etwas auf den Inhalt und die Qualität der „Informationen“ geschaut würde. Aber das ist ein anderes Thema.Carr resümiert die genannte Studie wie folgt: “The upshot is that online news appears to be not a replacement for traditional media but a supplement to it. The people who tend to use online sources are the same people who read newspapers and watch news shows on TV. They take a quick look at headlines online, but they continue to rely on traditional news sources for the details:The web serves mostly as a supplement to other sources rather than a primary source of news. Those who use the web for news still spend more time getting news from other sources than they do getting news online. In addition, web news consumers emphasize speed and convenience over detail. Of the 23% who got news on the internet yesterday, only a minority visited newspaper websites. Instead, websites that include quick updates of major headlines, such as MSNBC, Yahoo, and CNN, dominate the web-news landscape.The report is not good news for newspapers, but it does show that the reports of their imminent death have been exaggerated. The real division is not between the audience for online news and the audience for traditional news – they are the same audience. The real division is between the people who are interested in the news and the people who couldn’t care less. In fact, it looks very much like online news media are now merging with traditional news media, as the two come together in a symbiotic relationship to serve the same set of customers. They are not competing with each other so much as they are competing together against nonconsumption.”

[hw] Die Online-Ausgabe von "capecodtoday" berichtet: "There is much wind power potential (900.000 megawatts) off our coasts as the current capacity of all power plants in the United States combined, according to a new report entitled A Framework for Offshore Wind Energy Development in the United States, sponsored by the U.S. Department of Energy, Massachusetts Technology Collaborative, and General Electric." Besonders entzückend für die Gazette, daß die größten Windressourcen im Nordosten der USA lägen – gleichbedeutend mit Auftrieb für die Küsten von Cape Cod (südlich von Boston) und von Long Island (östlich von New York), die bisher hauptsächlich von Wochenend-Ausflüglern und Touristen leben. Es gibt sie also doch, die Alternativen zur "alternativlosen" Atomkraft. Aber wer hatte das schon ernsthaft bezweifelt? 

[hw] Gestern per Radio: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel habe sich dafür ausgesprochen, daß "Menschen, die nicht arbeiten, nicht mehr verdienen dürfen als eine Friseuse oder eine Kindergärtnerin". Interessant. Denn der Logik dieses Satzes folgend, hieße das, der Friseusenlohn sei das Maß aller Dinge beim Geldverdienen. Und dem müßten sich auch alle anderen nicht-arbeitenden Menschen unterordnen. Also, zu Ende gedacht, alle Couponschneider und sonstigen Nichtstuer. Fürwahr ein sehr gleichmacherischer Gedanke der Kanzlerin. Natürlich gut möglich, daß sie gar nicht weiß, was sie so den lieben langen Tag sagt.

marketing bubbles

April 20, 2006

[hw] Kaum sagt bzw. schreibt man mal seine ehrliche Meinung, hagelt es Telefonanrufe. Man könne doch dies so nicht sagen, müsse berücksichtigen, daß … und so weiter. Nun gut. Gehen wir die Sache doch gleich gründlicher an und kreieren wir eine regelmässige Rubrik "marketing bubbles". Sie wird kontinuierlich gelungene und weniger gelungene Verlautbarungen aus der Welt des (IT-)Marketings aufgreifen. Bubbles eben, nichts als Bubbles.

[hw] Sie suchen einen krisenfesten Job? Dann wäre Microsoft doch gerade richtig! Aber vorher vielleicht noch hier vorbeischauen und ein paar Vor- und Nachteile zur Kenntnis nehmen:   http://www.qbrundage.com/michaelb/pubs/essays/working_at_microsoft.html

[hw] TechCrunch veröffentlichte díesen Post: "Oliver Starr at Mobile Crunch has a long and excellent writeup on ScanR, a new free service that allows you to take a camera phone picture (or any digital picture) and turn it into a searchable PDF file. If you have a camera phone with at least one megapixel of resolution, ScanR is great for turning things like whiteboard images and paper drawings into something more usable. This is particularly interesting for heavy travellers who do not have a scanner handy.To use it, you simply take a picture and email it to scanr. They supply you with an enhanced pdf version by email.

The company recently announced a $4.65 million Series A round of funding from Trinity Ventures and Thomvest International."

More: http://www.scanr.com/. Klingt irgendwie gut.

[hw]  Since it seems that every search engine has their own mapping service, TechCrunch has done an excellent roundup of the ones out there right now and declares a winner. More: http://www.techcrunch.com/2006/04/17/comparing-the-mapping-services/

Ausbeutung umsonst

April 18, 2006

[hw] (1) Offene Worte von Oracle-Boss Larry Ellison. "Wenn ein Open Source-Produkt weit genug entwickelt ist, wäre es verrückt, damit konkurrieren zu wollen." Das sagte der Oracle-Chef in einem Interview mit der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times. Quelloffene Software wirke sich nicht negativ auf das Geschäft aus, man müsse lediglich Wege finden, um die Werte abzuschöpfen. "Wir brauchen Open Source nicht zu bekämpfen, wir müssen es ausbeuten", sagte Ellison. – Und umschreibt damit sehr schön den Sinn und Zweck eines jeden Unternehmens.

Das Gute an Open Source sei, so der Manager, daß sie niemandem gehöre. Einem Unternehmen wie Oracle stünde es frei, eine Anwendung in das eigene Angebot aufzunehmen und für den Support Geld zu verlangen. Wenn ein freies Produkt gut genug sei, werde es schlicht übernommen. "Als Apache besser wurde als unser eigener Webserver, haben wir diesen einfach verworfen und Apache eingesetzt", erläuterte der Oracle-Chef. – Klingt sogar vernünftig.

(2) Der Hersteller von Unternehmens-Software Oracle hat die Übernahme eines der zwei größten Linux-Distributoren geprüft. Das erklärte Ellison ebenfalls gegenüber der Financial Times. Auch die Herausgabe einer eigenen Linux-Version werde untersucht, meinte Ellison. "Ich hätte gerne einen kompletten Stack. Uns fehlt ein Betriebssystem. Man könnte daher sagen, daß es für uns reichlich Sinn hat, Linux zu verbreiten und zu unterstützen."

Bei der Prüfung der Möglichkeiten am Markt habe man überlegt, Novell zu kaufen. Nach Red Hat ist Novell der zweitgrößte Distributor des offenen Betriebssystems (durch den Kauf von Suse). Ellison: "Wir gucken uns alles an, wollen das voll ausspielen."

In der letzten Woche hatte Red Hat den Middleware-Hersteller JBoss für etwa 420 Millionen Dollar geschluckt. Ellison: "Damit konkurriert Red Hat mit uns im Bereich Middleware, und wir müssen unsere Beziehungen neu überdenken. Auch IBM wird das tun".  [Quellen: Financial Times online und de.internet.com]