[das lexikon] Die Menschen
April 7, 2006
[Ausgabe 01/hw] Wahrscheinlich wird es wieder niemandem auffallen: Aber wenn unsereins, der normale Staatsbürger, von ganz oben tituliert wird, dann immer mehr in der Form als "Mensch". "Die Menschen" draußen im Lande verstünden dies sehr gut, jenes dagegen aber nicht – so stürmen die Talkshow-Redner und Nachrichtensprecher jeden Tag auf ihr Publikum ein. Dieses wiederum goutiert die Dauerberieselung, fühlt sich womöglich geehrt. Mensch, das sind doch wir alle! Weit gefehlt! Denn was verbindet den Bewohner einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Stuttgart-Mitte oder einer Drei-Raum-Wohnung in Berlin-Neukölln mit jenen Herrschaften dort oben? Eigentlich nichts. Außer, daß sie alle aus Fleisch und Blut und blasser Hautfarbe bestehen. Aber das war es dann schon. Alles andere, die Ernährung, die Eß- und Trinkgewohnheiten, die Ansprüche an Information (FAZ versus BILD), die finanzielle Absicherung gegen Krankheit und Alter, eigentlich alles – konkret betrachtet – deutet mehr auf unüberwindbare Gräben hin. Das Schöne für die da Oben – eben auch nur "Menschen" – ist es nun mal, daß die da Unten – genauso "Menschen" – irgendwie kaum Probleme mit diesen signifikanten Unterschieden haben. Und was hilft ihnen dabei? Eben die Ansprache als "Menschen". Als wären alle aus dem gleichen Material beschaffen. Warum nicht gleich die Ansprache als "Lebewesen"? Mit denen – Katzen, Hunden, Papageien, Nilpferden etc.pp. – haben wir doch auch so manches gemeinsam. Oder doch nicht?