Wer kontrolliert das Internet?
August 3, 2006
In den USA haben Jack Goldsmith und Tim Wu das Buch „Who Controls the Internet?“ veröffentlicht. Darin räumen sie mit einigen Mythen auf, die sich um das neue Kommunikationsmedium Internet ranken. Apologeten des Web sahen darin von Anbeginn an eine neue, freie Sphäre des Informations- und Gedankenaustauschs, unbehelligt von jeglicher Tradition und jenseits des Zugriffs staatlicher Beobachtung und Kontrolle. Man kennt ähnliche freie Erfindungen im Zusammenhang mit der „New Economy“, von der es – zumindest bis zu ihrem Zusammenbruch 2001 – hieß, sie habe sämtliche Gesetze der westlichen Volkswirtschaft ausgehebelt. Davon will heute kaum noch jemand etwas wissen, ganz im Gegensatz zu den Märchen vom freien Internet. Goldsmith/Wu schreiben: “The Internet was supposed to be the test case for self-governing systems that could flourish without respect to geography and territorially based coercion. It was supposed to allow like-minded people to join communities and govern themselves without respect to geography, without regard to the top-down coercive structures of territorial governmental systems, and without the usual pathologies and corruptions that characterize territorial rule.” Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. So arbeitet das Web-Auktionshaus eBay, das sich gerne als Hort der Freiheit rühmt, auf das Engste mit Polizei und Justiz zusammen und unterhält sogar eine eigene Truppe von über tausend Mitarbeitern, die nur damit beschäftigt ist, der lieben Kundschaft auf die Finger zu schauen. Denn diese kommt – wie sollte es auch anders sein – nun mal aus der stinknormalen bürgerlichen Gesellschaft und benimmt sich auch in der „virtuellen“ Welt nicht anders als im gewohnten Wirtschaftsleben, inclusive der kleinen und größeren Tricks zur persönlichen Vorteilsannahme, sprich dem Bescheißen des lieben Nächsten. Goldsmith/Wu: “Without this powerful hidden-hand help of governments in the places where it does business, eBay’s thriving ’self-governing’ community could not survive.” Eine neue Technologie, die sicherlich manche Vorteile hat, ändert noch nicht die Welt, so wie sie zusammengesetzt ist. Nur wer so etwas glaubt und Mittel und Zweck verwechselt, kann dem Internet per se eine neue Qualität des gesellschaftlichen Lebens andichten. Noch einmal die Autoren: “What we have seen, time and time again, is that physical coercion by government – the hallmark of a traditional legal system – remains far more important than anyone expected. This may sound crude and ugly and even depressing. Yet at a fundamental level, it’s the most important thing missing from most predictions of where globalization will lead, and the most significant gap in predictions about the future shape of the Internet.”
marketing bubbles
April 20, 2006
[hw] Kaum sagt bzw. schreibt man mal seine ehrliche Meinung, hagelt es Telefonanrufe. Man könne doch dies so nicht sagen, müsse berücksichtigen, daß … und so weiter. Nun gut. Gehen wir die Sache doch gleich gründlicher an und kreieren wir eine regelmässige Rubrik "marketing bubbles". Sie wird kontinuierlich gelungene und weniger gelungene Verlautbarungen aus der Welt des (IT-)Marketings aufgreifen. Bubbles eben, nichts als Bubbles.
The Universal Server
April 14, 2006
[hw] (1)Immer wieder als Gerücht unterwegs, immer wieder abgeleugnet: IBM gibt die vier (fünf) bestehenden Serverlinien auf, die zunehmend die Anwender verwirren. Nur Altanwender sind einigermaßen glücklich, weil sie ihre Investitionen nicht endgültig verfliegen sehen.
(2) IBM unterstützt, immer noch, die xSeries, Server auf Intel/Windows Linux-Basis, die iSeries (proprietär, ex AS/400 mit eigenem Betriebssystem und vielen Uralt-Anwendungen), die pSeries (proprietär, Unix-basiert mit eigenem Betriebssystem AIX), schließlich die zSeries (proprietär, Mainframe mit eigenem Betriebssystem und vielen Uralt-Anwendungen). Die fünfte Server-Schiene heißt Linux und läuft auf allen vier bisher genannten Hardware-Plattformen.
(3) Die Hardware-Komponenten sind größenteils schon vereinheitlicht worden und immer mehr Errungenschaften wie Partitionierung oder Virtualisierung werden von oben (zSeries) nach unten (xSeries) weitergereicht, so daß die Basis für einen einzigen Server, der dann verschiedene Sprachen (Betriebssysteme) spricht, langsam fertig sein sollte.
(4) Dennoch, die Firma, die schon viele Technologien über Nacht aufgegeben oder verkauft hat (zuletzt die PC- und Notebooksparte an den chinesischen Konzern Lenovo), ziert sich.
(5) Der Universal Server steht noch immer aus, während zum Beispiel gemeinsame Dateiformate spätestens mit PDF und XML fast überall Einzug gehalten haben.
What's next?